40 Jahre Gottesdienste für Hörgeschädigte

Am Sonntag, den 22. März 2015, hielt Bischof Thomas Matthes aus Taucha (Sachsen/Thüringen), einen Gottesdienst für Hörgeschädigte in der Kirche Hildesheim (Niedersachsen). Besonders das Gedenken an den Luftangriff auf die Stadt Hildesheim auf den Tag genau vor 70 Jahren und den Beginn von Hörgeschädigtengottesdiensten vor 40 Jahren gaben dem Gottesdienst ein besonderes Gepräge.

Eine besondere und herzliche Atmosphäre war zu spüren, als der Gottesdienst um 10:30 Uhr begann. Bischof Matthes begrüßte die versammelten Gottesdienstteilnehmer in Gebärdensprache. Die anschließende Predigt wurde von Diakon Friedhelm Skibba (Neustadt a. Rbge.) am Altar in lautsprachenbegleitende Gebärdensprache übersetzt. Als Grundlage für diesen Gottesdienste diente das Bibelwort Johannes 1, 11:

"Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf."

Bereits im Gebet zu Beginn des Gottesdienstes ging der Bischof auf den für die Stadt Hildesheim gravierenden Luftangriff ein, der am 22. März 1945, also auf den Tag genau vor 70 Jahren, die Innenstadt fast völlig zerstört und unzählige Menschenleben gefordert hatte. Der Bischof betete sowohl für die Opfer wie auch für die Täter der damaligen Zeit und bat besonders auch um Frieden für die heutige Zeit und für die Zukunft.

70 Jahre nach Luftangriff auf Hildesheim

Zu Beginn seiner Predigt ging Bischof Matthes auf dieses einschneidende Ereignis für die Stadt Hildesheim ein und erklärte, dass jeder Gottesdienst nicht nur aus dem sichtbar versammelten Teil der Gemeinde besteht, sondern auch immer aus einem unsichtbaren Teil, aus Seelen aus der Ewigkeit. "Gottes Liebe ist grenzenlos", sagte der Bischof und erklärte, warum er sowohl für die Opfer, wie auch für die Täter der damaligen Zeit, die vermutlich inzwischen auch zum größten Teil in der Ewigkeit sind, gebetet hat.

40 Jahre Gottesdienst für Hörgeschädigte

Anschließend verwies der Bischof darauf, dass es in diesem Jahr 40 Jahre her ist, dass in Hildesheim der erste Gottesdienst für Hörgeschädigte in Niedersachsen gehalten wurde. Der spätere Bischof Rainer Knigge, der inzwischen im Ruhestand lebt und ebenfalls an dem Gottesdienst teilnahm, hielt damals als Priester diesen ersten Gottesdienst und hatte in den nachfolgenden 40 Jahren wesentlich zum Aufbau der Seelsorge für Hörgeschädigte beigetragen. "Gott schafft Möglichkeiten, dass wir uns verständigen können", sagte Bischof Matthes und erklärte, dass wir trotz aller Unterschiedlichkeiten Gemeinschaft haben können. "In den vergangenen 40 Jahren wurde viel gelernt, und gemeinsam durften wir Jesus Christus besser kennenlernen", sagte der Bischof.

Der Mensch wurde geschaffen zu Gottes Ebenbild

Gott habe den Menschen geschaffen zu seinem Ebenbild. Durch die Sünde sei das nicht immer erkennbar, aber trotzdem seien alle Menschen Geschöpfe Gottes. Durch Jesus Christus könnten wir das göttliche Element im Menschen wiederfinden. Gott habe seinen Sohn gesandt, um die Sünde zu überwinden. Doch trotz der Ankündigungen durch die Propheten hätten nur wenige den Gottessohn erwartet.

Gott kommt zu uns mit Licht und Wort

Gott habe alles geschaffen mit den Worten: "Es werde!" Und zuerst habe er das Licht erschaffen. Jesus Christus zeuge von dem Licht Gottes. Heute sei Jesus Christus als Mensch nicht mehr unter uns. Aber er habe Brüder gesandt und ihnen den Auftrag gegeben, in seinem Namen zu lehren und das Licht in die Welt zu tragen. Wer auf diese Brüder hört und sie annimmt, der nimmt Jesus Christus an und das Licht, sagte der Bischof. Das Wesen Jesus soll durch uns sichtbar werden. Das erreichen wir, in dem wir in Gottesdiensten das Wort Gottes annehmen. Wenn wir in den Gottesdiensten nicht das Wort Gottes sehen würden, sondern nur die einfachen Männer, die Fehler und Schwächen haben, dann würde die Seele nichts empfinden. Wir wollen überprüfen, ob wir das Wort Gottes erkennen. Wenn uns der Inhalt des Gottesdienstes noch in den folgenden Stunden und Tagen begleitet und beschäftigt, dann haben wir es aufgenommen. Und dann werden wir zu einem Licht in unserer Zeit. Wenn man am späten Abend durch seinen Heimatort fahre, dann freue man sich vielleicht, wenn man hier und da in den Fenstern noch Lichter sehe. So sei es auch in unserem Glauben. Hier und da seien noch Lichter zu sehen, da werde noch an Jesus Christus geglaubt.

Die Priester Lutz Mayet und Klaus Sontowski leisteten anschließend in lautsprachenbegleitender Gebärdensprache Predigtbeiträge. Der Chor der Gemeinde Hildesheim begleitete drei gesungene Lieder mit den dazu gehörigen Gebärden und sorgte so für große Freude sowohl bei den hörgeschädigten wie auch bei den hörenden Gottesdienstteilnehmern.

Im Anschluss an den Gottesdienst hatten die Gemeindemitglieder der Gemeinde Hildesheim ein Buffet aufgebaut und die hörgeschädigten Geschwister, die teilweise sehr weite Wege auf sich genommen hatten, dazu eingeladen.

D.E.