Stell dir vor, du liegst im Koma . . .

Stell dir vor, du liegst im Koma und nichts geht mehr ... Mit diesen Worten begann ein Vortrag zum Thema "Patientenverfügung", zu dem der Projektchor Bodenburg/Leinetal geladen hatte.

45 Geschwister und Gäste aller Altersgruppen aus verschiedenen Gemeinden waren der Einladung gefolgt und zu dem Vortrag nach Hildesheim gekommen.

Pünktlich um 15 Uhr wurden alle anwesenden Geschwister und Gäste durch Uwe Gerland begrüßt. Er gab eine kurze Einleitung in den Ablauf und das darauf folgende Programm. So konnte Bezirksältester i.R. Klaus Hagemann, der als Professor an der Norddeutschen Hochschule für Rechtspflege in Hildesheim lehrt, schnell in das wichtige Thema einsteigen und machte deutlich, wie wichtig es ist, mit Vollendung des 18. Lebensjahres einiges an Vorsorge getroffen zu haben. Zwei Themengebiete wurden besonders verdeutlicht und an Beispielen dargestellt:

I. Vorsorgevollmacht
Mit einer Vorsorgevollmacht bevollmächtigt eine Person eine andere Person, im Falle einer Notsituation alle oder von ihm bestimmte Aufgaben für den Vollmachtgeber zu erledigen. Mit der Vorsorgevollmacht wird der Bevollmächtigte zum Vertreter im Willen, das heißt, er entscheidet an Stelle des nicht mehr entscheidungsfähigen Vollmachtgebers. Deshalb setzt eine Vorsorgevollmacht unbedingtes und uneingeschränktes persönliches Vertrauen zum Bevollmächtigten voraus und sollte nicht leichtfertig erteilt werden. Die Rechtsgrundlage für das Handeln des Bevollmächtigten findet sich in § 164 ff. BGB, das Verhältnis zwischen Vollmachtgeber und Bevollmächtigtem (sog. Auftrag) in § 662 ff. BGB.

II. Patientenverfügung
Eine Patientenverfügung ist eine schriftliche Vorausverfügung einer Person für den Fall, dass sie ihren Willen nicht mehr (wirksam) erklären kann. Sie bezieht sich auf medizinische Maßnahmen wie ärztliche Heileingriffe und steht meist im Zusammenhang mit der Verweigerung lebensverlängernder Maßnahmen. Was genau unter einer Patientenverfügung zu verstehen ist, ist in § 1901 a BGB erklärt.
Die Erstellung einer Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung muss schriftlich erfolgen und unterschrieben sein. Eine notarielle Beglaubigung oder Beurkundung ist grundsätzlich nicht erforderlich, aber möglich. Die Patientenverfügung sollte aber alle zwei Jahre mit einem Vermerk über die Gültigkeit des Inhalts bestätigt und neu unterschrieben werden.

Im weiteren Verlauf wurde über die Aufbewahrung beider Unterlagen und über Beispiele für den Inhalt gesprochen. Es folgten viele Fragen, die unter anderem auch von einem anwesenden Arzt beantwortet wurden. Dieser machte auch deutlich, wie das Pflegepersonal bei Vorhandensein einer Patientenverfügung handelt.

Sehr schnell war das angesetzte Zeitfenster mit persönlichen Fragen überschritten. So wurden auch noch nach dem Vortrag bei Kaffee und Kuchen viele Gespräche zu diesem sehr wichtigen Thema geführt. Uwe Gerland dankte dem Vortragenden mit einer "Medizin zur inneren Anwendung" und es wurde beschlossen, eine weitere Stunde zur Erstellung dieser Unterlagen anzusetzen.

U.G./Fotos: U.G.